2.1 Begriffe
Vielleicht haben Sie in der Vergangenheit schon positive Erfahrungen mit Bildungspartnerschaften machen können und möchten diesen Bereich weiter ausbauen. Oder Sie haben noch wenig Erfahrungen mit Kooperationspartnern und suchen Anregungen für die Gestaltung eines lokalen Bildungsnetzwerks. Aber was versteckt sich hinter diesem Begriff, der nicht unbedingt in der Alltagssprache zu Hause ist?
Als Netzwerk ist ein Zusammenschluss von mehreren Partnern zu verstehen, die in freiwilliger und nicht-hierarchischer Zusammenarbeit auf ein gemeinsames Ziel hin verbunden sind. Dabei sind diese Partner z.B. alle über einen zentralen Knotenpunkt, beispielsweise die Schule, miteinander verknüpft, stehen aber auch untereinander im Austausch. Im Idealfall wird ein Netzwerk durch ein koordinierendes Gremium gelenkt und die Arbeit beruht auf einer gemeinsamen Zielformulierung.
Lokal bedeutet, dass das Netzwerk räumlich begrenzt auf einen bestimmten Ort ist, wobei die tatsächliche Begrenzung nicht wirklich festgelegt ist. Ein kommunales Netzwerk schließt nicht nur Partner vor Ort, sondern auch innerhalb der ganzen Kommune ein. Größer ausgedehnte Netzwerke sind demnach regional oder auch landesweit.
Der Begriff Bildung muss etwas umfassender erläutert werden, damit ein gemeinsames Verständnis dafür entstehen kann. Umgangssprachlich wird Bildung oft als das empfunden, was ein Mensch weiß und kann. Vermittelt wird diese Art Bildung klassischerweise in der Schule, am Ausbildungsplatz oder an der Universität. Dem Ruf nach aktivem und selbstbestimmtem lebenslangem Lernen steht es nun allerdings völlig entgegen, wenn Bildung sich ausschließlich auf diesen Bereich beschränkt und nach dem höchsten erreichten Abschluss als offiziell beendet und für vollständig erklärt wird. In den 1970er Jahren entstand aus dieser Erkenntnis heraus die Diskussion über geforderte Schlüsselqualifikationen und Kompetenzen, die in einen neuen, modernen Bildungsbegriff mündete. Bildung wird heute in die Bereiche formale, non-formale und informelle Bildung aufgegliedert.
Formale Bildung bezieht sich auf das oben beschriebene staatliche Bildungssystem und die in diesem Rahmen vermittelte Aus- und Weiterbildung. In einem zu diesem Zweck konzipiertem Bildungsinstitut werden fixe Bildungspläne und Curricula stark formalisiert umgesetzt. Der Lernprozess ist zielgerichtet und schließt in der Regel mit anerkannten Bildungsabschlüssen (Zeugnis, Zertifikat, etc.) ab.
Informelle Bildung dagegen ist losgelöst von einem institutionellen Ort und von vorgegebenen Lehrplänen. Sie geschieht meist ungeplant, beiläufig und selbstgesteuert nach den Interessen des Individuums. Informelle Bildung kann zu Hause, in der Freizeit oder auch in klassischen Bildungsinstitutionen geschehen. So zum Beispiel, wenn Schülerinnen und Schüler sich die Handhabung des neuesten Smartphones oder einer neuen App auf dem Pausenhof beibringen. Das Lernen auf dem Pausenhof folgt keiner vorgegebenen Struktur und war nicht geplant, sondern entsteht spontan durch den Bedarf und könnte auch genauso im Bus oder zu Hause passieren. Informelle Bildung ist ein prägender Faktor im Rahmen des lebenslangen Lernens, hier werden neben Wissen und Fähigkeiten in den Wechselbeziehungen zur sozialen Umwelt auch Haltungen und Werte entwickelt. Geprägt wird die informelle Bildung von Kindern und Jugendlichen maßgeblich durch die Familie und Cliquen Gleichaltriger, sogenannten Peer Groups.
Eine Zwischenstellung nimmt die non-formale Bildung ein. Hier ist der Bildungscharakter zwar auch vorgegeben und der Prozess geplant, dieser besitzt aber „Angebotscharakter“ und ist somit gänzlich freiwilliger Natur. Neben der Freiwilligkeit sind non-formale Angebote geprägt durch Partizipation und individuelle Gestaltungsmöglichkeiten. Der Bereich der non-formalen Bildung wird überwiegend von offener und verbandlich organisierter Kinder- und Jugendarbeit besetzt. Aber auch Angebote wie die Schülermentorenausbildung oder Qualifizierungen für Jugendbegleiterinnen und Jugendbegleiter gehören dazu.
Um ein lebenslanges, selbstgesteuertes Lernen von Zahlen und Fakten wie auch von Werten, Kompetenzen und Haltungen zu ermöglichen, müssen diese drei Bildungsbereiche ineinander greifen und sich gegenseitig verstärken. Herausforderung ist es dabei, den Zugang für Kinder und Jugendliche zu allen drei Formen zu ermöglichen. Dies können lokale Bildungsnetzwerke maßgeblich unterstützen.
In lokalen Bildungsnetzwerken arbeiten Schulen gemeinsam mit außerschulischen Partnern wie Sport- und Jugendverbänden, kirchlichen Einrichtungen, Museen, der offenen Jugendarbeit, der freien Wirtschaft und kommunalen Behörden etc. daran, Kindern und Jugendlichen eine umfassende Lern- und Lebenserfahrung zu ermöglichen. Damit werden Bildungsräume geschaffen, deren vielfältige Angebote eine stärkere Orientierung an den jeweiligen Stärken, Bedürfnissen und Interessen der Schülerinnen und Schüler ermöglichen. Die Kooperationen fordern eine Öffnung der Schulen hinein in die Gemeinde oder Stadt, schaffen dadurch aber auch innovative Schulkonzepte mit individuellen Profilen. Die Kooperationspartner werden durch die konzeptionelle Mitarbeit in den Bildungsprozess integriert und können einen wertvollen Beitrag zur Weiterentwicklung der Schulkonzeption hinzu ganztätigen Bildungsangebote leisten.

Abb. 1: S. Meinhold Henschel: Auf dem Weg zur kommunalen Bildungslandschaft – lokale Bildungsorte vernetzen. Aus: Jugendstiftung 2011: Jugendbegleiter. Schule. Jugendbildung.
